Die deutsche Digitalwirtschaft zeigt sich trotz schwieriger konjunktureller Rahmenbedingungen weiterhin stabil, in vielen Segmenten steigen sogar die Umsätze. Nach einer Prognose des Branchenverbands Bitkom auf Basis von Daten des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens International Data Corporation (IDC) wird der deutsche Markt für IT und Telekommunikation 2026 um 4,1 Prozent auf 246,4 Milliarden Euro zulegen; 2025 lag das Plus bei 4,7 Prozent.
„Digitalisierung bleibt ein Wachstumstreiber in Deutschland”, sagte Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. „Unternehmen und öffentliche Hand investieren weiter in Software, IT-Services, KI und Cybersicherheit, auch wenn viele Entscheidungen angesichts der wirtschaftlichen Lage vorsichtiger getroffen werden.“
Innerhalb der Digitalwirtschaft entwickelt sich das große Teilsegment der IT besonders dynamisch. Für 2026 erwartet der Bitkom in diesem Bereich ein Umsatzplus von 5,4 Prozent auf 170,8 Milliarden Euro. Besonders positiv entwickelt sich erneut das Geschäft mit Software: Hier sollen die Umsätze in diesem Jahr um 9,9 Prozent auf 58,1 Milliarden Euro steigen. Ein wesentlicher Teil des Wachstums entfällt auf Software für den Betrieb öffentlicher Clouds. Allein mit Cloud-Software werden 2026 voraussichtlich 42,5 Milliarden Euro umgesetzt, ein Plus von 21,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Auch Künstliche Intelligenz gewinnt weiter an Schwung, macht aber erst einen Bruchteil des Geschäfts mit Software aus. Die Umsätze mit KI-Plattformen werden nach Bitkom-Berechnungen 2026 um 75,8 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro zulegen, nachdem sie bereits 2025 um 50 Prozent gewachsen sind.
Die übrigen IT-Segmente entwickeln sich ebenfalls positiv. IT-Services werden 2026 voraussichtlich um 3,1 Prozent steigen, bei IT-Hardware wie Notebooks, Drucker und Bildschirme wird mit einem Wachstum von durchschnittlich 3,3 Prozent gerechnet. Innerhalb der IT-Hardware wächst die IT-Infrastruktur aus der Cloud (Infrastructure-as-a-Service) mit einem Plus von 22,3 Prozent besonders stark. Auch Sicherheitsgeräte, Workstations, Server und Datenspeicher verzeichnen Zuwächse. „Beim Wachstum der IT-Hardware sehen wir deutliche Preiseffekte”, erklärte Wintergerst. „Gestiegene Preise für RAM-Speicher und Chips treiben die Umsätze nach oben, obwohl in vielen Segmenten die Verkaufszahlen zurückgehen.“
Im Geschäft mit Desktop-PCs, Tablets sowie AR/VR- und Smart-Home-Geräten sieht der Bitkom Rückgänge. „Die Unternehmen investieren vor allem dort, wo Digitalisierung unmittelbar Produktivität, Skalierbarkeit und auch Sicherheit schafft“, sagte Wintergerst.
Der Telekommunikationsmarkt wächst auch 2026 nur moderat. Bitkom erwartet in diesem Segment ein Plus von 1,4 Prozent auf 75,6 Milliarden Euro. Den größten Anteil daran hat das Geschäft mit TK-Diensten, auf die 53,9 Milliarden Euro (Plus 0,9 Prozent) entfallen. Die Umsätze mit Telekommunikations-Infrastruktur sollen um 4,2 Prozent auf 8,3 Milliarden Euro steigen. Damit zeigt sich nach der Delle in den Jahren 2023 und 2024 eine Erholung. Die Umsätze mit Endgeräten wie Smartphones könnten um 1,6 Prozent wachsen und mit 13,4 Milliarden Euro das Vorjahresniveau leicht übertreffen.
„Die Telekommunikationsunternehmen investieren massiv in den Ausbau dieser Infrastruktur”, stellte Wintegerst fest. „Dafür müssen die Rahmenbedingungen stimmen: Investitionen in Netze müssen gefördert und dürfen nicht ausgebremst werden. Dazu gehören priorisierte Stromanschlüsse für Mobilfunkmasten ebenso wie eine konsequente Umsetzung des überragenden öffentlichen Interesses am Netzausbau in den Kommunen.“
Auch bei den Investitionen zeigt sich die Branche stabil. 23 Prozent der ITK-Unternehmen wollen 2026 mehr investieren als im Vorjahr, 57 Prozent halten ihr Investitionsniveau konstant, 20 Prozent planen geringere Investitionen. Die Mittel fließen vor allem in Software, Forschung und Entwicklung sowie Ausrüstung.
Trotzdem bleibt Deutschland im internationalen Vergleich zurück, denn der weltweite ITK-Markt soll 2026 um 8,5 Prozent auf 5,9 Billionen Euro wachsen. Die USA dominieren mit einem Anteil von 41 Prozent und einem Plus von 12,7 Prozent, während Deutschland mit einem Wachstum von 4,1 Prozent auf einen Anteil von 3,8 Prozent kommt. „Die Schere zwischen den USA und China auf der einen und Deutschland und seinen europäischen Nachbarn auf der anderen Seite öffnet sich weiter”, sagte Wintergerst. „Wenn die USA dreimal so schnell wachsen wie Deutschland, dann zeigt das: Andere Länder setzen digitale Technologien entschlossener ein und investieren massiv in digitale Infrastrukturen wie Rechenzentren und Innovationen. Unser Anspruch muss sein, wenn auch nicht die Umsatzvolumina, so zumindest die Wachstumsraten zu erreichen wie die USA. Deutschland muss Digitalisierung als Wachstumsverstärker begreifen. Wer jetzt beschleunigt, stärkt Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und Zukunftsfähigkeit des Standorts.“












