Jetzt spielt die Musik in Wien: High End Vienna 2026 feiert gelungene Premiere

Mit 23.106 Besuchern aus 104 Ländern war die erste High End in Wien ein voller Erfolg.

Vom 4. bis 7. Juni schaute die internationale HiFi-Branche besonders gespannt auf die High End, denn nach mehr als 20 Jahren in München fand die Messe erstmals in Wien statt. Der Umzug ins Austria Center Vienna hatte im Vorfeld für hitzige Debatten gesorgt. Ein volles Haus, viele spannende Premieren und eine positive Stimmung bestätigten aber die Entscheidung für die österreichische Hauptstadt.

Die Gründe für den Umzug wurden bereits im letzten Jahr ausgiebig diskutiert: In München war nach Angaben der Organisatoren keine langfristige Planung mehr möglich, und andere Standorte, die den speziellen Anforderungen einer Messe für Highend-HiFi genügen, sind rar.

Dominique Fils-Aimé, die diesjährige Markenbotschafterin der High End Vienna.

Auch wenn an den Aufbautagen noch mancher Aussteller mit den ungewohnten Gegebenheiten zu kämpfen hatte, kippte die Stimmung spätestens am Eröffnungstag ins Positive. Das Austria Center Vienna erwies sich als ­moderne Bühne für die internationale Audiowelt: Ein atemberaubender Eingangsbereich mit modernster ­Medientechnik, breite, luftige Gänge, viel Tageslicht und großzügige Räume mit teils spürbar besserer Akustik sorgten auf Anhieb für eine einladende Atmosphäre.

Trotz konstant hoher Besucherzahlen wirkten die meisten Bereiche nie zu voll. Überfüllte Hörräume, in München eher die Regel als die Ausnahme, schienen in Wien der Vergangenheit anzugehören. „Die Premiere der High End Vienna hat unsere Erwartungen in vielerlei Hinsicht übertroffen“, freute sich Manuel Pinke, Geschäftsführer des Veranstalters High End Society Service GmbH. 

The Power Of Music

Wesentlich zur guten Stimmung trug auch Dominique Fils-Aimé, die diesjährige Markenbotschafterin der High End Vienna, bei. Unter dem Motto „The Power Of Music” begrüßte die Kanadierin die Besucher bereits auf ihrem Weg zum ACV auf zahlreichen Werbeflächen. Persönlich war sie dann während der gesamten Veranstaltung mit ihrer positiven Ausstrahlung bei zahlreichen Interviews, Hörsessions und Standbesuchen präsent. Als Höhepunkt stellte die mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnete Sängerin am Samstagabend ihr neues Album „My World Is The Sun” live im ACV vor.

Beliebte Sonderflächen

Unverkennbar B&W: Das neue Flaggschiff 801 D5.

Wie schon in München zogen auch in Wien wieder die World Of Headphones und die Gaming Zone ein jüngeres und vielleicht auch finanziell weniger betuchtes Publikum an und bildeten ein willkommenes Gegengewicht zu den Luxus-Anlagen mancher Hersteller.

Die Krone für das teuerste System der Messe dürfen sich in diesem Jahr zwei Aussteller teilen: Dass der chinesische Hersteller ESD auf der High End das ganz große Besteck auspackt, hat ja schon Tradition. Doch auch Audio Reference hat sich wieder nicht lumpen ­lassen und rund um die mächtigen Lautsprecher Wilson Audio Autobiography und Elektronik von D’Agostino ebenfalls eine Anlage der Superlative zusammengestellt.

Beide Ultra-Luxussysteme werden mit Preisen um die 3,5 Millionen Euro angegeben.

Ein Jahr der runden Geburtstage

2026 war überhaupt ein Jahr der Jubiläen, und die Aussteller feierten sie mit entsprechenden Neuheiten. ­Bowers & Wilkins beging seinen 60-jährigen Geburtstag und nutzte die Gelegenheit, in Wien die neueste Generation seiner Referenzserie vorzustellen: Die Serie 800 D5 umfasst sieben Modelle, vom Center HTM82 D5 (10.000 Euro) über den Kompaktlautsprecher 805 D5 (12.000 Euro / Paar) bis zum Flaggschiff 801 D5 (50.000 Euro /Paar).

Noch älter, nämlich ganze 100 Jahre, wird in diesem Jahr Elac. Die Kieler zelebrierten das Jubiläum im Foyer E des ACV mit einer eigenen „Hall of Fame“ und einem ganzen Bündel Neuheiten.  Blickfang war der Statement-Lautsprecher Concentro L 809 (Stückpreis rund 33.000 Euro), der mit vier 250-Millimeter-Tieftönern, A-XR-Mitteltönern und einem elektronisch steuerbaren VXe12-Array für den Hochton die gebündelte Entwicklungserfahrung des Hauses auf den Punkt bringen soll.

Für kleine Wohnzimmer (und Bankkonten) weniger geeignet: Das Ultra-Luxussystem des chinesischen Herstellers ESD kostet rund 3,5 Millionen Euro.

Bodenständiger, aber nicht minder charmant: die überarbeitete Serie Debut Reference 3.0 mit neuen Aramid­faser-Treibern und mutigen Finishes, die limitierten Jubiläumsmodelle BS 100 und Elegant 100, die neuen Plattenspieler Miracord 40 und 50.2 sowie die modernisierte Neuauf­lage des Klappzahlen-Radioweckers RD 100. Auch ­andernorts wurde angestoßen: JBL und Klipsch begingen jeweils ihr 80-jähriges, Tannoy ebenfalls sein 100-jähriges Jubiläum.

Modernes Highend ist vernetzt

Der Trend zu smarten Komplettlösungen ist weiterhin ­ungebrochen. Yamaha präsentierte mit dem NX-70A einen eleganten Aktiv-Lautsprecher, der klassische ­Yamaha-Tugenden wie die Membranen aus Zylonfasern und Fichtenholz mit umfassender Streaming-Ausstattung (MusicCast, Roon, Tidal Connect, Spotify, AirPlay 2, Google Cast) und HDMI eARC verbindet. Knapp 3.000 Euro soll das Set kosten, passende Ständer kann die Kundschaft für knapp 600 zusätzliche Euro mitnehmen. Geliefert werden kann wahrscheinlich ab dem Sommer. Als klangstarke Komplett-Lösung positioniert, zielt die ­Yamaha NX-70A unverkennbar auf Marktanteile der ­erfolgreichen KEF LS50 Wireless II. 

Elac wird 100 Jahre alt – und feiert das Jubiläum u. a. mit dem neuen Flaggschiff Concentro L 809.

Cambridge Audio machte gleich doppelt auf sich aufmerksam: zum einen mit der offiziellen Premiere der ­aktiven Lautsprecherserie L/R, die mit bunten Farben und verblüffend großem Sound zu beeindrucken wusste. Zum anderen zeigte man den Streaming-Vollverstärker Evo 300, der mit 300 Watt pro Kanal aus Hypex-NCOREx-Endstufen im Dual-Mono-Aufbau, neuem ESS-Sabre-Wandler, StreamMagic der vierten Generation, HDMI eARC und MM-Phonoeingang für 3.999 Euro (UVP) überzeugen will.

Dass auch bezahlbare und praktische Lösungen ihren Platz auf der High End haben, zeigte WiiM mit der ­Premiere der ersten Soundbar der Marke. Die WiiM Bar ist eine 3.0.2-Atmos-Bar mit acht Treibern, vier Passivradiatoren, kreisrundem TouchDisplay und HDMI eARC, die sich mit dem WiiM-Lautsprecher und -Subwoofer drahtlos zum 5.1.2-System ausbauen lässt. Angesichts ­dieser Features ist der Preis eine echte Kampfansage: Ab September soll die WiiM Bar für 499 Euro (UVP) im Fachhandel stehen.

Zwei Marken wachsen zusammen

Zu den bemerkenswertesten Kons­tellationen der Messe zählte der erste gemeinsame Auftritt von Loewe und Cabasse. Erst kürzlich hatte der oberfränkische TV-Spezialist die tradi­tionsreiche französische Lautsprechermanufaktur vor der Insolvenz gerettet. In Wien präsentierten sich beide ­Marken zum ersten Mal gemeinsam. Geplant ist, in ­Zukunft ein komplett neues Luxus-Ökosystem fürs ­Wohnzimmer zu schaffen: deutsche Bild- und Designkompetenz mit französischem Akustik- und Streaming-Know-how. Doch das ist aktuell noch Zukunftsmusik; in Wien zeigte Cabasse deshalb den neuen, klassisch passiv ausgelegten Standlautsprecher Murano Grande und den edlen Streaming-Lautsprecher The Pearl in der Édition Atelier. Loewe wiederum steuerte unter anderem mit dem Loewe Leo seinen ersten eigenen Kopfhörer bei und zeigte die Fernseher der neuen Vega-Reihe.

Analog bleibt en vogue

Die neuen Streaming-Lautsprecher NX-70A von Yamaha sollen eine komplette HiFi-Anlage ersetzen können.

Dass die analoge Renaissance ungebrochen ist, bewies einmal mehr Clearaudio. Der fränkische Analogspezialist fuhr mit gleich sieben Premieren die umfangreichste Neuheiten-Batterie seiner Geschichte auf. Im Zentrum stand die neue Elevation-Serie mit den Modellen Elevation 45 und Elevation 55. Clearaudio probiert hier rund um riemen-getriebene Laufwerke mit optischer Drehzahlüberwachung eine neue Designsprache mit viel Holz und austauschbaren Rahmen aus. Ab rund 5.000 Euro sollen die Modelle der Serie im vierten Quartal in den Handel kommen. 

Ebenfalls für Aufsehen sorgte der compass GT, ein ­Plattenspieler im bunten Pixel-Design mit dimmbarer RGB-Beleuchtung, den Clearaudio gemeinsam mit kon­solenfan.de für Gamingfans entwickelt hat. Angesichts der Vinyl-Verkaufszahlen für Games-Soundtracks und ähnliche Genres ist das ein smarter Schritt, und mit rund 1.500 Euro bleibt der Preis erfreulich bodenständig.

Die WiiM Bar lässt sich mit dem WiiM-Lautsprecher und -Subwoofer drahtlos
zu einem bezahlbaren 5.1.2-System ausbauen.

Der meistfotografierte Clearaudio-Plattenspieler war jedoch wohl der Rammstein Turntable – eine in Koopera­tion mit der deutschen Rockband aufwändig gestaltete, ­limitierte Sonderauflage. Ebenfalls vorgestellt wurden die „Revolver”-Edition des Innovation-Laufwerks zum 60. Jubiläum des legendären Beatles-Albums, der Phono-­Vorverstärker Compact Phono für MM und MC, das Netzteil Ultra Linear Power Supply in 12- und 24-Volt-Variante sowie der neue MM-Tonabnehmer N2.

Auftakt nach Maß

Keine Frage: Trotz einiger Kleinigkeiten, die man im ­nächsten Jahr sicher besser machen kann, ist die High End in Wien angekommen und hat ihren Anspruch als internatio­nale Leitmesse für die hochwertige Tonwiedergabe eindrucksvoll bestätigt. Und das nicht nur an den beiden B2B-Tagen, sondern gerade auch an den hervorragend ­besuchten Publikumstagen am Wochenende. Die Premiere ist also gelungen, und man darf sich jetzt schon auf die High End Vienna 2027 vom 6. bis 9. Mai 2027 freuen.

Die High End Vienna 2026 in Zahlen

Zur ersten High End in Wien kamen vom 4. bis 7. Juni nach Angaben des Veranstalters 23.106 Besucher aus insgesamt 104 Ländern, davon 10.603 Fach­besucher aus 93 Ländern und 11.957 Endverbraucher aus 76 Ländern; 549 Medienvertreter aus 45 Ländern waren akkreditiert. Rund 500 Aussteller aus 41 Ländern zeigten Produkte von fast 1.000 Marken. Mit der World Of Headphones, der Gaming Zone, der Start-Up-Area, der X-Pert Stage und der ­Spezialmesse IPS – International Parts + Supply gab es wieder die ­etablierten speziellen Themenbereiche.