Die expert-Gruppe hat im Geschäftsjahr 2025/2026 (1. April 2025 bis 31. März 2026) einen Innenumsatz zu Industrieabgabepreisen von 2,05 Milliarden Euro (Vorjahr 2,15 Milliarden Euro) erzielt. Das gab der Vorstand auf einer Pressekonferenz in Langenhagen bekannt. Dabei zeigten sich bereits positive Ergebnisse der eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen: Die Bonusausschüttung belief sich mit 215,9 Millionen auf 13,2 Prozent des jahresbonuspflichtigen Umsatzes. Zudem stieg die Eigenkapitalquote auf 30,2 Prozent (Vorjahr 29,4 Prozent).
Trotz des Umsatzrückgangs und des herausfordernden Umfelds seien zentrale Zukunftsthemen gezielt vorangetrieben worden, betonte Dr. Stefan Müller, Vorstandsvorsitzender der expert SE: „Unser Ziel ist es, die Zusammenarbeit innerhalb der Kooperation weiter zu stärken und einen klaren Mehrwert für unsere Gesellschafter, Kunden sowie Industrie- und Dienstleistungspartner zu schaffen. Gemeinsam legen wir damit die Basis, um die Wettbewerbsfähigkeit der Kooperation langfristig zu sichern und die Zukunft des mittelständischen Fachhandels aktiv mitzugestalten.“
Das Konzernergebnis habe sich positiv stabilisiert und auch die Liquiditätslage bleibe solide, fügte Finanzvorständin Daniela Schreckling hinzu: „expert steht für Stabilität, Verlässlichkeit und partnerschaftliches Handeln – gegenüber unseren Gesellschaftern ebenso wie gegenüber Industrie-, Dienstleistungs- und Finanzierungspartnern.“
In der Unterhaltungselektronik musste expert einen Rückgang der Außenumsätze um 12,9 Prozent (Markt minus 6,9 Prozent) hinnehmen, auch bei der Weißen Ware gingen bei einem Minus von 4,1 Prozent (Markt minus 3,4 Prozent) bei den Groß- und 3,3 Prozent (Markt plus 1,1 Prozent) bei den Kleingeräten Anteile verloren. In der Telekommunikation schnitt die Verbundgruppe mit einem Minus von 2,0 Prozent dagegen besser ab als der Markt (minus 4,1 Prozent), ebenso im Segment Family Entertainment (u. a. E-Scooter), in dem der Umsatz um 3.3 Prozent (Markt plus 1,9 Prozent) zulegte.
Nachholbedarf sieht der Vorstand vor allem im Onlinegeschäft. Hier stehen Produkte, die über das Internet bestellt werden, inzwischen für fast 50 Prozent des Gesamtumsatzes der Branche in den relevanten Produktgruppen, auch bei der Weißen Ware liegt der Anteil inzwischen über 33 Prozent. An diesem Wachstum habe expert nicht ausreichend teilgenommen, stellte Müller fest. Für Besserung sorgen u. a. die Erweiterung des Sortiments um Hausgeräte, die von den Herstellern speziell für das Online-Geschäft angeboten werden sowie Google- und Meta-Kampagnen, die von der Zentrale unter Berücksichtigung des vom jeweiligen Mitglied freigegebenen Budgets geplant und regional ausgespielt werden. Zudem werden die 63 Regiebetriebe ab 1. September einen 90 Minuten Lieferservice für Pakete (24 Stunden für Großgeräte) an, der nach einer Pilotphase auch den Mitgliedern zur Verfügung stehen soll.
Der Auftakt des neuen Geschäftsjahres wurde vor allem von den positiven Ergebnissen der frühzeitig gestarteten WM-Kampagne mit Rudi Völler geprägt. Sie führte im TV-Geschäft zu einem Umsatzplus von 9,3 Prozent (Markt plus 2,0 Prozent im Mai und zu einem Zuwachs von 46,6 Prozent (Markt 34,1 Prozent) im Juni. Dabei lag expert mit einem Durchschnittspreis von rund 800 Euro auch bei der Wertschöpfung deutlich über dem Marktniveau.
Auf den wachsenden Druck, der für den Einzelhandel durch neue Wettbewerber und internationale Marktteilnehmer entsteht, reagiert expert mit dem Ausbau der Zusammenarbeit mit Industrie- und Dienstleistungspartnern. „Deshalb investieren wir gezielt in starke Partnerschaften, klare Sortimentsstrategien und attraktive Rahmenbedingungen für unsere Gesellschafter“, erklärte Vertriebsvorstand Holger Pöppe. Auch die Eigenmarke Kendo soll weiter gestärkt werden, um mittelfristig einen Umsatzanteil von fünf Prozent zu erreichen.
Zu expert-Strategie 2030+ gehöre es auch, die Fachberatung als entscheidenden Wettbewerbsvorteil weiter auszubauen, betonte Einzelhandelsvorstand Christoph Komor. Dafür investiert expert kontinuierlich in Weiterbildungsformate und Schulungsoffensiven, die auch im Kalenderjahr 2027 fortgeführt werden sollen. Besondere Schwerpunkte gibt es dabei in den Bereichen Telekommunikation/PC, E-Mobility, Unterhaltungselektronik, Weiße Ware mit Klein- und Großgeräten sowie Siebträgermaschinen.
„Erfolgreicher Fachhandel entsteht dort, wo exzellenter Service, digitale Unterstützung und kompetente Fachberatung zusammenkommen”, erklärte Komor. Dafür will expert Im Rahmen des Schwerpunktthemas „Besser im Einzelhandel“ die Leistungsfähigkeit seiner Standorte erhöhen und zugleich die regionale Onlinepower bündeln. Neben der Weiterentwicklung des experten Performance Cups als Leistungsanreiz für das Verkaufspersonal investiert die Fachhandelskooperation vor allem in digitale Service- und Beratungslösungen. Anwendungen wie die Serviceplattform Sara! und der mobile Verkaufshelfer expert Neo, jeweils mit integriertem KI-Assistenten zu Themen wie Serviceabwicklung und „Recht auf Reparatur“, sollen die Mitarbeiter im Tagesgeschäft unterstützen.
Im Juni hat expert sein Angebot im Bereich Payment um die europäische Zahlungslösung Wero erwartet; von dieser Möglichkeit machen aktuell bereits acht Prozent der Online-Kunden Gebrauch. Eine spektakuläre Zusammenarbeit mit einem neuen Partner soll im Herbst beginnen: Dann kann man bei expert Online und in den stationären Geschäften PaybackPunkte sammeln. Daran nehmen alle expert Gesellschafter geschlossen teil. Mit Payback gewinnt expert nicht nur einen starken strategischen Partner für die Kundenansprache und ein beliebtes Rabattmodell, sondern auch Zugang zu über 35 Millionen Kunden in ganz Deutschland.
Insgesamt zeigte sich der expert Vorstand zuversichtlich, mit seiner Strategie im neuen Geschäftsjahr weitere positive Effekte zu erzielen. Ein besonderer Höhepunkt wird die Teilnahme an der IFA Berlin sein, wo sich die Verbundgruppe gemeinsam mit anderen Kooperationen vom 4. bis 8. September 2026 im City Cube, Level B, präsentiert.











