Vor der IFA erwartet der Branchenverband Bitkom für das Gesamtjahr ein Minus von 2,6 Prozent im Gesamtmarkt der klassischen Consumer Electronics. Damit würde das Volumen auf 7,6 Mrd. Euro sinken. Das gab Bitkom-Präsidiumsmitglied Olaf May auf einer Pressekonferenz anlässlich der Präsentation der Trendstudie zur „Zukunft der Consumer Technology 2026“ bekannt. Die Gesamtumsätze mit Unterhaltungselektronik wie Fernsehern, Audiogeräten und Digitalkameras seien weiterhin leicht rückläufig, während Künstliche Intelligenz in bestimmten Segmenten, z. B. Filmen, Musik, smarten Kopfhörern und Brillen für Impulse sorge.
Nach dem coronabedingten Schub auf ein Volumen von 9,3 Milliarden Euro werde der Umsatz mit Consumer Electronics 2026 im sechsten Jahr in Folge sinken, erklärte May: „Nach den außergewöhnlich starken Corona-Jahren hat sich der Markt wieder normalisiert. Technik wird selektiver gekauft: Größere Anschaffungen werden stärker abgewogen, häufiger verschoben oder über Aktionen realisiert. Das dynamische Wachstum in einigen Technologienischen kann das bislang nicht kompensieren.“
Fernseher werden auch 2026 mit 2,81 Milliarden Euro die mit Abstand größte Produktgruppe im Markt für Unterhaltungselektronik bleiben, aber einen Umsatzrückgang um 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen, berichtete May. Bei Spielekonsolen erwartet der Bitkom nach einem außergewöhnlich starken Vorjahr für 2026 einen Umsatz von 840 Millionen Euro, das wären 9 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch der Markt für Audiogeräte entwickelt sich mit erwarteten 870 Millionen Euro um 4 Prozent rückläufig, und auf sonstige Consumer Technology Produkte wie Blu-ray- und DVD-Player, Media-Sticks, Set-Top-Boxen oder Wechselobjektive werden in diesem Jahr voraussichtlich 810 Millionen Euro entfallen, ein kleines Minus von 0,5 Prozent. In anderen Bereichen wird dagegen Wachstum erwartet. So sollen die Umsätze mit Audio- und Video-Zubehör 1,71 Milliarden Euro (plus 1,9 Prozent) erreichen, das Geschäft mit Digitalkameras soll um 2 Prozent auf 580 Millionen Euro zulegen.
Streaming wird der Trendstudie zufolge immer beliebter: Zwar schauen immer noch 81 Prozent der Menschen in Deutschland ab 16 Jahren zumindest hin und wieder das aktuelle Fernsehprogramm über Kabel, Satellit oder Antenne, 89 Prozent streamen aber zumindest gelegentlich Videos, Sendungen oder Filme über das Internet. 61 Prozent aus dieser Gruppe zahlen auch dafür: 46 Prozent rufen Filme einzeln gegen Gebühr ab und geben dafür durchschnittlich 12,80 Euro im Monat (2025: 11 Euro) aus, 44 Prozent nutzen kostenpflichtige Abos und zahlen dafür im Schnitt 18,50 Euro monatlich (2025: 17,50 Euro).
Beim Einsatz von KI in Filmen wünschen sich viele Menschen Transparenz und neue Möglichkeiten zur Individualisierung. 91 Prozent wollen, dass Serien und Filme, die mit KI erstellt wurden, als solche gekennzeichnet werden. Für 72 Prozent stellen KI-generierte Inhalte eine Bedrohung für die klassische Filmindustrie dar. Andererseits fände es ein Drittel (32 Prozent) in Ordnung, wenn ein KI-generierter Film einen bedeutenden Preis wie den Oscar gewinnen würde. Auch für die Individualisierung von Filmen gibt es eine gewisse Offenheit: 24 Prozent möchten sich mit KI gerne selbst als Heldin oder Held in Filme einfügen können, 17 Prozent würden gerne Filme und Serien verändern oder weiterschreiben. Rund ein Viertel (24 Prozent) zeigte Interesse, mit KI einen Film über das eigene Leben erstellen zu lassen.
Auch Audiostreaming gewinnt weiter an Bedeutung. Inzwischen streamen 88 Prozent der Befragten zumindest ab und zu Audioinhalte. 69 Prozent nutzen dafür Video-Plattformen, gefolgt von Audiostreaming-Diensten mit 63 Prozent. Noch aber zeigt sich auch das klassische Radio mit 91 Prozent ausgesprochen stabil. Im Audiobereich werden von KI grundlegende Veränderungen erwartet. 44 Prozent gehen davon aus, dass in 10 Jahren ein Großteil der Musik von KI erzeugt wird. Das sehen drei Viertel (75 Prozent) als Bedrohung für die klassische Musikindustrie, und 58 Prozent sind der Meinung, KI-generierte Musik sollte von den offiziellen Charts ausgeschlossen werden, Rund ein Drittel (35 Prozent) findet sogar, dass Audiostreaming-Dienste KI-generierte Musik komplett sperren sollten. Andererseits fänden es 24 Prozent in Ordnung, wenn KI-generierte Musik einen Preis wie einen Grammy gewinnen würde. Und derzeit trauen sich nur insgesamt 13 Prozent zu, herauszuhören, ob Musik mit KI erstellt wurde.
Zum Hören von Audio-Inhalten nutzen rund drei Viertel (74 Prozent) der Befragten zumindest hin und wieder Kopfhörer. Kabellose In-Ear-Kopfhörer wie AirPods oder Galaxy Buds werden von 37 Prozent eingesetzt, In-Ear-Kopfhörer mit Kabel von 35 Prozent, kabellose On-Ear- oder Over-Ear-Kopfhörer von 27 Prozent. „Kopfhörer entwickeln sich vom Abspielgerät zum persönlichen Audio-Interface”, erklärte May. „KI-Funktionen wie Echtzeitübersetzung, Gesprächszusammenfassungen und Sprachassistenz werden dabei immer wichtiger.“
Auch für die Akzeptanz von intelligenten Brillen gibt die Bitkom Trendstudie Anhaltspunkte. Inzwischen haben 35 Prozent der Bevölkerung schon einmal eine VR-Brille genutzt, weitere 43 Prozent würden das gerne in Zukunft tun. Smart Glasses, die je nach Modell Kamera, Audio, Sprachsteuerung und KI-Funktionen miteinander verbinden, haben 15 Prozent schon einmal – im Alltag oder testweise – getragen, weitere 28 Prozent zeigten sich offen dafür. Augmented-Reality-Brillen sind dagegen offensichtlich noch nicht auf dem Massenmarkt angekommen. Aber immerhin 37 Prozent der Deutschen können sich vorstellen, zukünftig eine AR-Brille zu tragen, die virtuelle Inhalte sichtbar in das Blickfeld einblenden kann.












