CES 2024 präsentierte sich als globale Technologie-Plattform

Die CES 2024 konnte die Teilnehmerzahl der Vor-Corona Veranstaltung 2020 noch nicht wieder erreichen, aber die Messe präsentierte sich auf über 232.000 Quadratmetern mit mehr als 4.300 Ausstellern, darunter über 1.400 Startups aus der ganzen Welt im Eureka Park im gewohnten Format. Von den 135.000 (2020: 175.000) Teilnehmern kamen über 40 Prozent aus 150 Ländern Regionen und Territorien außerhalb Nordamerikas. Wenig zu wünschen übrig ließ die Wirkung in der Öffentlichkeit: Rund um die Welt waren die CES 2024 und die dort präsentierten Innovationen häufig in den Schlagzeilen der Medien.

Gary Shapiro, Präsident und CEO der veranstaltenden Consumer Technology Association (CTA):
„Jedes Unternehmen muss ein Technologieunternehmen werden.” (Foto: Consumer Technology
Association)

Tatsächlich hatten sich mehr als 5.000 globale Medienvertreter und Content-Creator angemeldet. Industrieseitig waren nach Angaben der Organisatoren 60 Prozent der Fortune-500-Unternehmen vor Ort; 250 Konferenzveranstaltungen mit über 1.000 Rednern boten jede Menge ­Diskussionsstoff, und das CES 2024 Innovation Awards-Programm verzeichnete mit mehr als 3.000 angemeldeten Produkten eine neue Rekordbeteiligung.

Kein Wunder, dass Gary Shapiro, der ebenso selbstbewusste wie charismatische Präsident und CEO der veranstaltenden Consumer Technology Association (CTA), mit dem Ergebnis der CES 2024 sehr zufrieden war: „Das Wiederaufleben der CES beweist, dass persönliche Gespräche und Treffen für die Technologiebranche eine Notwendigkeit sind. Seit mehr als 20 Jahren sage ich, dass jedes Unternehmen ein Technologieunternehmen werden muss, und die Vielfalt der Aussteller auf der CES 2024 beweist das.“

Intelligenz überall

Das Schlüsselwort schlechthin auf der CES 2024 war ohne Zweifel Künstliche Intelligenz (KI), und das gilt für alle auf der Messe vertretenen Branchen. Dabei bringt die neue Technologie (oder wie immer man KI beschreiben möchte) bisher nicht unbedingt ganz neue Produkte bzw. Produktkonzepte hervor. Sie steckt vielmehr in zahllosen Geräten, deren Leistungsprofile sie deutlich verbessern kann.

So macht sie es z. B. einfach, auf dem Fernseher die gewünschten Inhalte zu finden, und sie kann beim Hochskalieren von niedriger aufgelösten Inhalten auf 4K oder gar 8K spektakuläre Bildverbesserungen erzielen. Sie hilft der Waschmaschine dabei, den Inhalt der Trommel zu erkennen und das richtige Programm zu finden, sie kann Rezepte für Gerichte vorschlagen, die sich aus den Vorräten im Kühlschrank zubereiten lassen, sie kann als generative KI Texte und Bilder erzeugen (mit allen Vor- und Nach­teilen, die derzeit vielfach diskutiert werden), sie kann ­Logistikprozesse ebenso verbessern wie die Lagerhaltung und Absatzplanung im Einzelhandel, sie kann Ärzte bei der Diagnose unterstützen und Sicherheitssysteme wirksamer machen… Die Zahl der Anwendungen ist praktisch grenzenlos – ebenso wie der Zahl der Produkte, in denen KI steckt oder in Kürze stecken wird. Ob daraus dann – wie die CES in ihrem Abschlussbericht prognostiziert – tatsächlich „Lösungen für drängende globale Herausforderungen” werden, wird sich zeigen. Dass der KI-Zug nicht mehr zu bremsen ist, steht dagegen schon jetzt fest.

Die Vielfalt in Las Vegas

Gary Shapiros Forderung, jedes Unternehmen müsse ein Technologieunternehmen werden, ist offensichlich bei einem großen Teil der globalen Wirtschaft angekommen. Und wichtige Teile dieser Wirtschaft sehen offensichtlich die CES als adäquate Plattform an. Das zeigt sich nicht nur an der Vielfalt der auf der Messe vertretenen Branchen, sondern auch am Rahmenprogramm und vor allem an den Keynotes. Hier trat z. B. erstmals das Top-Management der Groupe L’Oréal auf, um gemeinsam mit Partnern und der Schauspielerin Eva Longoria eine Vision von inklusiver Schönheitstechnologie vorzustellen, die das Leben auf der ganzen Welt verbessern soll. Auch die CEOs von Best Buy, Elevance Health, HD Hyundai, Intel, Nasdaq, Qualcomm, Siemens, Snap und Walmart zeigten sich auf der Keynote-Bühne, um neue Kooperationen vorzustellen und neue Lösungen anzukündigen.

Die Startup-Zone im Eureka Park wuchs dieses Jahr auf eine Rekordzahl von über 1.400 junge Unternehmen. In Länderpavillons waren dort Frankreich, Italien, Israel, Japan, Korea, die Niederlanden und die Ukraine vertreten.

Die Groupe L’Oréal präsentierte sich in Las Vegas erstmals mit einer Keynote, um eine Vision von inklusiver Schönheitstechnologie vorzustellen – mit der markanten Aussage: „Beauty is a social need.” (Foto: Consumer Technology Association)

Ein besonders schnell wachsender Teil des Messeportfolios ist, neben dem Thema Gesundheit und Fitness, der Bereich Mobilität: Über 600 Aussteller aus diesem Segment – darunter BMW, Honda, Hyundai, Kia, Magna, Mercedes, Paccar, Recaro, Sony, Supernal, Togg und Vinfast – zeigten sich in diesem Jahr auf der CES. Präsentiert wurden u. a. Konzepte für die Zukunft autonomer Fahrzeuge sowie für weitere Elektrofahrzeuge, Mikromobilität und softwarebasierte Vehikel. Auch Ideen für fliegende Autos konnte man – nicht zum ersten Mal – auf der CES finden. 

Beim Thema Nachhaltigkeit standen die Reduzierung von Emissionen und Abfall durch Elektrifizierung, die Entwicklung erneuerbarer Energiequellen und innovative Komzepte für Batterierecycling im Vordergrund. Zu den Ausstellern gehörten hier u. a. 3M, Caterpillar, Doosan, Goodyear, Jackery, John Deere, D Hyundai, Kubota, Midbar, Nasdaq, Panasonic, Siemens und die SK Group.

Barrierefreiheit für viele

Über digitale Technologien, die Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen die Bedienung von Geräten und den Zugang zu Inhalten leichter machen, wurde ebenfalls auf der CES viel gesprochen. Hier gibt es interessante Lösungen, die in Fernsehern, Smart Home Systemen und Hausgeräten zu finden sind und dem Fachhandel gute Argumente für eine wachsende Zielgruppe bieten. Auch in der Pflege kann KI Fortschritte bringen, z. B. durch Sprachsteuerungen, Hör- und Sehhilfen und Roboter.

Auch wenn spektakuläre Einzelprodukte selten waren, konnte man auf der CES interessante Konzepte für die Zukunft finden und zahlreiche Ideen mitnehmen. Dazu dürfte die nächste CES, die vom 7. bis 10. Januar 2025 in Las Vegas stattfinden soll, wieder Gelegenheit bieten.